Sozialpädagogische Dienste – Heimerziehung


Einleitung

I. Heimerziehung im Rahmen der Jugendhilfe

II. Aspekte der Heimerziehung III. Wirksamkeit und Probleme IV. Schlußbemerkung

V. Anhang

Literatur




Einleitung


Der pluralistische Charakter der Sozialisation kann zu erheblichen Belastungen für die Heranwachsenden führen. Sind die Sozialisationswirkungen nämlich widersprüchlich, so verlagert sich zu einem großen Teil die Verantwortung für eine gelingende Sozialisation auf die subjektive Seite, d.h. auf die Heranwachsenden selbst. Die normative Pluralität, die schulischen und beruflichen Leistungsanforderungen, die freizeitkulturellen und sozialen Wahlmöglichkeiten verlangen ständig Entscheidungen und können so zu Risikofaktoren für ein befriedigendes Aufwachsen werden. Die geistigen, moralischen und affektiven Anforderungen sind scheinbar so groß geworden, daß manche(r) damit mehr oder weniger große Schwierigkeiten hat. Die individuelle Freiheit kann somit zur Qual werden, aus der Kinder und Jugendliche auszubrechen versuchen.


Im Rahmen der Jugendhilfe werden Kindern und Jugendlichen Hilfen geboten, mit dem Ziel, mit dieser Pluralität umgehen zu lernen. Der Begriff Jugendhilfe umfaßt alle öffentlichen materiellen sowie personellen Hilfen. Diese Hilfen sind im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) zusammengefaßt (vgl. § 2), dessen tragender Gedanke ist, die Familien in den Mittelpunkt der Förderung zu stellen und alle Maßnahmen so zu organisieren, daß materiell wie personell die Erziehungsfunktion der Familie gestärkt werden kann. Kindern, Jugendlichen und Eltern sollen die einzelnen Hilfen nicht erst dann zur Verfügung stehen, wenn die Erziehung in der Familie ernsthaft gefährdet ist, sondern bereits im Vorfeld. Hierdurch wird der präventive Charakter des Gesetzes deutlich.


Die Begriffe "Verwahrlosung" und "Fürsorgeerziehung" werden nicht mehr verwendet. Es ist vielmehr von "Hilfen zur Erziehung" die Rede, die den unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungsfragen Rechnung tragen. Das differenzierte Leistungsangebot umfaßt die Jugend- und Jugendsozialarbeit, den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz, die Förderung der Erziehung in der Familie, die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in der Tagespflege sowie ein breites Spektrum individueller Erziehungshilfen.


Die klassischen Erziehungshilfen (Unterbringung im Heim oder in einer Pflegefamilie), die im Mittelpunkt des Jugendwohlfahrtsgesetzes (JWG) standen, wird es auch weiterhin geben. Im neuen Gesetz werden ihnen gleichrangig ambulante und teilstationäre Hilfen zur Seite gestellt. Wenn und solange die Erziehungsfunktion einer Familie gestört und eine Herausnahme des Kindes oder Jugendlichen unvermeidbar ist, kann "Hilfe zur Erziehung in Vollzeitpflege" oder "Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung oder sonstigen Wohnform" veranlaßt werden. Die Unterbringung in einem Erziehungsheim steht also erst am Ende der möglichen Hilfen.


Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die außerhalb der Familie untergebracht sind, ist entsprechend der sinkenden Gesamtzahl rückläufig. 1970 waren noch zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen in Heimen untergebracht, während ihr Anteil in Pflegefamilien nur bei einem Drittel lag. Seit 1981 ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen (vgl. Tab. 1). Dennoch leistet die Heimerziehung auch heute noch einen wichtigen und nicht zu ersetzenden Beitrag zur Jugendhilfe.




Literatur

Alferding, Michael: Die Problematik der geschlossenen Unterbringung von verhaltensgestörten Kindern und Jugendlichen in Heimen der öffentlichen Erziehung, Verlag Modernes Leben, Dortmund 1986

Bundesministerium für Frauen und Jugend (Hrsg.): Kinder- und Jugendhilfegesetz (Achtes Buch Sozialgesetzbuch), 5. Aufl., Bonn 1993

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Sonderausgabe, 33., neubearbeitete Auflage, Verlag C. H. Beck, München 1991

Giesecke, Hermann: Einführung in die Pädagogik, 2. Aufl., Neuausgabe, Juventa Verlag, Weinheim und München 1991

Gudjons, Herbert: Pädagogisches Grundwissen: Überblick - Kompendium - Studienbuch, Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1993

Hebborn-Brass, Ursula: Verhaltensgestörte Kinder im Heim - eine empirische Längsschnittunter- suchung zu Indikation und Erfolg. Lambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau 1991

Kluge K. J./Hasenkamp B. u.a.: Heimerziehung - ohne Chance ? Zur Lage der Heimerziehung in Vergangenheit und Zukunft - eine Zwischenbilanz für Praktiker, G. Schindele Verlag, Heidelberg 1982

Krug/Grüner/Dalichau: Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB): Achtes Buch (VIII) - Kommentar, 15. Erg., Verlag R. J. Schulz

Mrozynski, Peter: Das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz: (SGB VIII), Textausgabe mit Erläuterungen, Beck, München 1991

Weinschenk, Rheinhold: Geplantes Erziehen im Heim, 4. erweiterte und überarb. Aufl., Lambertus- Verlag, Freiburg im Breisgau 1987

Speck, Otto: Sonderpädagogische Organisationsformen, in: Goetze H./Neukäter H. (Hrsg.): Handbuch der Sonderpädagogik, Bd. 6, Volker Spiess GmbH, Berlin 1989


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