Rechtsveränderungen in der Familienerziehung - Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern


Einleitung

I. Elternschaft in der Ehe und in nichtehelichen Lebensgemeinschaften

II. Elternschaft nach der Scheidung Literatur



Einleitung


Die Familie stellt in der westlichen Welt die Stelle einer zentralen und wichtigen sozialen Institution dar, die daher auch durch gesamtgesellschaftliche Normen und Interessen gelenkt wird. "Die Schaffung einer umfassenden säkularen Rechtsordnung gehört zu den wesentlichen Leistungen des modernen Staates" (Hubbard, S. 37). Die Habsburger Monarchie definierte die Ehe mit dem Josephinischen Ehepatent vom 16. Januar 1783 als erster deutscher Staat als ein vertragliches Verhältnis, dessen Kontrolle allein dem Staat obliege.


Das Familienrecht regelt neben den mit der Eheschließung und Eheführung zusammenhängenden Fragen und der Ehescheidung sowie die Rechtsbeziehung zur Verwandtschaft insbesondere das Verhältnis zwischen Eltern und Kind, die Stellung nichtehelicher Kinder, die Adoption und schließlich die Vormundschaft und die Betreuung.


Schon die Weimarer Verfassung hatte festgeschrieben, daß die Ehe auf der Gleichberechtigung der Geschlechter beruhe. Diese Gleichberechtigung ging jedoch zunächst nur stockend voran und hat immer wieder der Nachhilfe durch das Bundesverfassungsgericht bedurft. Diese stellte klar, daß seit dem 1. April 1953 Mann und Frau auch im Bereich der Ehe gleichberechtigt sind.


Das Gleichberechtigungsgesetz trat jedoch erst im Jahre 1958 in Kraft. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Gerichte an dem konventionellen Leitbild der sogenannten Hausfrauenehe festgehalten. Der §1354 des BGBs erkannte dem Mann die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu. Der Ehemann war zugleich auch Inhaber der elterlichen Gewalt. Die Mutter war nur berechtigt und verpflichtet, das Kind zu betreuen und zu erziehen. Bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen den Eltern ging die Meinung des Vaters letztendlich vor. Der rechtliche Schutz des unehelichen bzw. nichtehelichen Kindes und seiner Mutter war nur unzureichend verwirklicht. Mit Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes wurde das Entscheidungsrecht jedoch umstands- und ersatzlos aufgehoben. Die elterliche Gewalt steht nunmehr Vater und Mutter zu. Für den Fall, daß die Eltern sich in einer wichtigen Kindesangelegenheit nicht einigen können, schaltet sich das Vormundschaftsgericht ein. Dieses hat zuallererst darauf hinzuwirken, daß sich die Eltern verständigen. Mißlingt dieser Versuch, so überträgt es unter Beachtung des Kindeswohls die Entscheidung einem Elternteil.


Im Jahre 1970 hat der Gesetzgeber zunächst das Recht der nichtehelichen Kinder reformiert und fünf Jahre später - 1975 - das Volljährigkeitsalter von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt. Das Rechtsverhältnis zwischen Eltern und Kindern ist mit Wirkung vom 1.1.1980 grundlegend neu geregelt worden. Diese zahlreichen gesetzlichen Änderungen haben wesentlich zur Verbesserung der Rechtsstellung des Kindes, insbesondere des nichtehelichen Kindes beigetragen.


In meinem Aufsatz über die Rechtsveränderung in der Familienerziehung gehe ich insbesondere auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder ein. Dabei werde ich versuchen, die wichtigsten Entwicklungen im Elternrecht vom Allgemeinen Preußischen Landrecht (ALR) über das am 1. Januar 1900 inkraftgetretene Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) bis zur heute gültigen Fassung herauszuarbeiten. Aufgrund der mir nur begrenzt zur Verfügung stehenden Literatur zu diesem Themenbereich soll und kann auf Vollständigkeit kein Wert gelegt werden und ist auch nicht Ziel dieser Arbeit. Im ersten Teil werde ich die Entwicklungen von der elterlichen Gewalt zur elterlichen Sorge darstellen, die Reform des Rechts der nichtehelichen Kinder und die gesetzlich festgeschriebenen Erziehungsziele sowie den Schutz vernachlässigter und mißhandelter Kinder skizzieren. Im zweiten Teil zeige ich die Folgen einer Scheidung für das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern auf. Den Schwerpunkt bildet in jedem Abschnitt jeweils das heute gültige Recht.




Literatur


Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Sonderausgabe, 33., neubearbeitete Auflage, Verlag C.H. Beck, München, 1991

Hubbard, William .H.: Familiengeschichte. Materialien zur deutschen Familie seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, München, 1983

Limbach, Jutta: Das Verhältnis von Eltern, Kind und Staat im Lichte des Grundgesetzes, S. 19-25 *

Limbach, Jutta: Die Entwicklung des Familienrechts seit 1949, in: Nave-Herz, R.: Wandel und Kontinuität der Familie in der Bundesrepublik Deutschland, S. 11-35, Enke Verlag, Stuttgart, 1988

Limbach, Jutta: Die rechtlichen Rahmenbedingungen von Ehe und Elternschaft, in: Nave-Herz, R./Markefka, M. (Hrsg.): Handbuch der Familienforschung, Band 1, S. 225-240, Luchterhand Verlag, Neuwied und Frankfurt a.M., 1989


* keine weiteren Angaben möglich

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