Soziale Isolation und Einsamkeit bei Netznutzern


Einleitung

I. Die öffentliche Vereinsamungsdebatte

II. Soziale Isolation und Einsamkeit III. Das Internet als Kommunikationsmedium IV. Netznutzung und positive psycho-soziale Folgen am Beispiel der Usenet News V. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung

Literatur



Einleitung


Einsamkeit, soziale Isolation und Verlassenheitserlebnisse scheinen ein weit verbreitetes Problem moderner Industriegesellschaften zu sein. Oft wird davon ausgegangen, daß es noch nie so viel Leere, Ohnmacht und Einsamkeit gegeben habe wie in der heutigen Gesellschaft. Trotz der heutigen fast perfekten Kommunikationstechnik scheint es keine befriedigende Kommunikation und Interaktion zu geben.

Das Leben in der hochtechnisierten und computerisierten Welt scheint den Menschen nicht zu bekommen. Die These, daß sich Menschen zunehmend voneinander entfremden und immer stärker vereinsamen, ist sehr populär. Gerade die modernen Informations- und Kommunikationstechniken werden als wesentliche Einsamkeitsauslöser beschrieben. Medial vermittelte Kommunikation gilt als defizitär, kalt und unmenschlich. Nicht selten wird das Bild des kontaktgestörten, isolierten und lebensfremden Computernutzers beschworen.

Längst ist die moderne Technik zum Fluch geworden. Passiv und vereinzelt vor flimmernden Bildschirmen sitzend, vertiefen sich die Menschen in realitätsferne Scheinwelten. Wo man sich früher noch traf, sich gegenüber saß und miteinander sprach, wird heute telefoniert, gefaxt oder werden elektronische Nachrichten ausgetauscht. Persönliche Kontakte verarmen, die menschliche Psyche degeneriert, weil die Menschen gezwungen sind, sich der neuen Technologie anzupassen. Computersucht, Beziehungsunfähigkeit und technisches Denken gefährden bereits Kinder. Es sieht so aus, als verbaue die moderne Technik den Blick auf das Wesentliche und lenken davon ab, was Menschen zum Glück wirklich brauchen, nämlich das direkte Zusammensein mit anderen Menschen.

Entgegen den gängigen Stereotypen über technik-zentrierte Computerbesitzer, werde ich im folgenden die Thesen der Kritiker widerlegen und zeigen, daß aktive Netznutzer weder einsamer oder sozial isolierter sind als andere Menschen noch ein besonders auffälliges oder gar pathologische Sozialverhalten zeigen.




Literatur

Döring, Nicola (1994): Einsamkeit am Computer? Sozialpsychologische Aspekte der Usenet Community, ftp://ftp.uni-stuttgart.de/pub/doc/networks/misc/einsamkeit-und-usenet

Döring, Nicola (1995): Isolation und Einsamkeit bei Netznutzern ? Öffentliche Diskussion und empirische Daten, ftp://ftp.uni-stuttgart.de/pub/doc/networks/misc/netz_und_einsamkeit

Falckenberg, Christian: Internet - Spielzeug oder Werkzeug ?, Studienarbeit, Aachen 1994

Herrmann, T.: Lehrbuch der empirischen Persönlichkeitsforschung, Hogrefe, Göttingen 1969

Kneer, Volker: Computernetze und Kommunikation, Freie wissenschaftliche Arbeit, Hohenheim 1994

Lauth, Gerhard W./Viebahn, Peter: Soziale Isolierung - Ursachen und Interventions- möglichkeiten, Psychologie Verlags Union, München - Weinheim 1987

Meyer, Thomas: Modernisierung der Privatheit - Differenzierungs- und Individualisierungsprozesse des familialen Zusammenlebens, Westdeutscher Verlag, Opladen 1992

Nave-Herz, Rosemarie: Zeitgeschichtliche Differenzierungsprozesse privater Lebensformen - am Beispiel des veränderten Verhältnisses von Ehe und Familie - in: Clausen, Lars (Hrsg.): Gesellschaften im Umbruch, Campus Verlag, Frankfurt/Main 1996, S. 60-77

Puls, Wichard: Soziale Isolation und Einsamkeit - Ansätze zu einer empirisch-nomologischen Theorie, Dt. Univ.-Verlag, Wiesbaden 1989

Sander, M.: Psychologie der Gruppe, Juventa, München 1976 Volpert, Walter: Zauberlehrlinge - Die gefährliche Liebe zum Computer, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1985

Wegmann, Jutta: Netzwerk, soziales in: Schäfers, Bernhard (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie, 3. Aufl., Leske + Budrich, Opladen 1992, S. 214-216


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