Zur Sozialstruktur Deutschlands – Grundzüge der Entwicklung des Bildungssystems


I. Einleitung

I. Die Entwicklung des deutschen Schulsystems und die Entwicklung des Bildungssystems der DDR

II. Reformansätze in der Bildungspolitik seit 1960 III. Strukturmerkmale und gesellschaftliche Funktionen/Aufgaben des Bildungssystems Literatur



Einleitung


Beschäftigt man sich mit der Analyse der Sozialstruktur eines Landes, so ist es naheliegend, auch einen Blick auf das Bildungssystem zu werfen, da dieses einen der Grundsteine für den Aufbau einer Sozialstruktur darstellt.


Im vorliegenden Fall wurden im Rahmen des Seminars "Zur Sozialstruktur Deutschlands" die ehemaligen und gegenwärtigen sozialen Verhältnisse auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland untersucht. Hierbei stellte sich heraus, daß besonders das dreigliedrige Schulsystem der BRD, das seinen Ursprung im Aufkommen der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsform des frühen 19. Jahrhunderts findet, einen großen Einfluß auf die Reproduktion der jeweils erforderlichen Sozialstruktur im Staat hat. Somit scheint es notwendig, eine gesonderte Betrachtung des deutschen Bildungssystems vorzunehmen, will man Rückschlüsse auf die bestehende soziale Ordnung ziehen. Verglichen mit anderen Industriestaaten drängt sich die Frage auf, wie es einem seit weit mehr als hundert Jahren in groben Zügen unverändertem System der schulischen und beruflichen Bildung gelingen kann, den stetig veränderten Ansprüchen von Wirtschaft und Gesellschaft an Bildung gerecht zu werden und sich als nahezu resistent gegen jegliche Reformbestrebungen der jüngeren deutschen Geschichte zu erweisen.


Der erste Teil der folgenden Arbeit gibt einen geschichtlichen Einblick in die Entwicklung des deutschen Schulsystems. Die Grundzüge des Bildungssystems des 19. Jahrhunderts kommen hier ebenso zur Sprache wie die Reformbemühungen in den frühen Jahren der Weimarer Republik oder das auf die Erziehung zur Brauchbarkeit gerichtete Schulsystem des Nationalsozialismus. Weiterhin werden Gründe für das Scheitern einer grundsätzlichen Neugestaltung des Bildungssystems nach Beendigung des II. Weltkriegs angeführt. So wird der Vorgang der Restauration im Bildungswesen auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik in einem kurzen Abriß dargestellt.


In den sechziger Jahren waren sich die Politiker nahezu jeglicher Couleur erstmals darüber einig, daß in der Bildungspolitik Erneuerungen und Richtungsänderungen erforderlich geworden waren. So beschäftigt sich der zweite Teil, der den Schwerpunkt der Arbeit bildet, mit den Reformbewegungen innerhalb der deutschen Bildungspolitik seit 1960. Zunächst wird ein Überblick über die Ursachen und die Notwendigkeit der Bildungsreform sowie der aus ihr resultierenden Bildungsexpansion gegeben. Zusätzlich werden die Instrumente vorgestellt, anhand derer die Bildungsreform ausgerichtet war. Im Anschluß daran soll eine Betrachtung der gesellschaftlichen Auswirkungen der Bewegungen, die ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Bildungschancen legt, über die tatsächliche Reform Auskunft geben. Aus diesem Grund stellt der abschließende Teil des Kapitels vergleichend die Entwicklung der Bildungschancen in der DDR dar.


Im letzten Abschnitt der Arbeit sollen Strukturmerkmale sowie die gesellschaftlichen Funktionen und Aufgaben des deutschen Bildungssystems erläutert werden. Ein Überblick über die Struktur und den Aufbau des Schulsystems bildet den Einstieg in dieses Kapitel. Anschließend sollen die Funktionen und Aufgaben einleitend angesprochen werden. Der letzte Abschnitt dieser Arbeit beschreibt die durch das Schulsystem bedingte soziale Auslese mittels unterschiedlicher Bildungsabschlüsse, die bestehenden gesellschaftlichen Werte und Normen und deren Gültigkeit und Verbindlichkeit.




Literatur


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